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Das Jahresgespräch: Pflichtübung oder Führungsmoment?

  • Autorenbild: Silvia Peter
    Silvia Peter
  • 30. März
  • 3 Min. Lesezeit

Es ist wieder Zeit für Jahresgespräche. Jetzt nehmen wir uns endlich mal richtig Zeit füreinander. Auch wenn wir eigentlich keine haben. In der Realität gibt es dann entweder eine Harmonie-Dusche oder ein Feedback, das 320 Tage zurückliegt. Ich sage: Das Mitarbeitendengespräch ist gleichzeitig das meist über- und unterschätzte Führungsinstrument.


Jahreskalender mit einem markierten Datum, symbolisiert das einmalige Mitarbeitendengespräch im Jahr
Abb.: Mitarbeitendengespräche einmal im Jahr, eigene Darstellung mit Unterstützung von DALL·E

Wenn beide lieber woanders wären

Führungskräfte bereiten sich kaum vor, weil der Alltag keine Lücke zulässt. Einen klaren Ablauf gibt es zudem selten. Entweder läuft das Gespräch nach Gefühl, oder es dreht sich hauptsächlich um den Bonus. Und irgendwie weiss man schon vorher, wie es laufen wird.

Mitarbeitende erleben das Jahresgespräch oft wie eine Schulzeugnisausgabe: Man sitzt, wartet auf die Bewertung und hofft, dass nichts Unangenehmes kommt. Und wenn doch etwas kommt, denkt man: Wäre schön gewesen, wenn ich das früher gewusst hätte. Viel früher.


Das eigentliche Problem

Führung wird in unserer Arbeitswelt leider immer noch viel zu häufig vernachlässigt. Sie passiert aus Zufall. Oder bei guter Performance. Viele Führungspersonen haben nie gelernt, worauf es ankommt. Welche Instrumente wie funktionieren. Und wenn die Unternehmenskultur Raum für Führung nicht fördert, sondern Jahresgespräche eher als Pflichtübung abhält, um allfällige Lohnanpassungen zu definieren, dann kann das Potenzial, das diese Gespräche haben, gar nicht zum Einsatz kommen.

Dabei wäre das Potenzial enorm. Ein strukturierter Moment im Jahr, in dem es wirklich nur um eine Person geht. Um ihre Entwicklung, ihre Ziele, ihre Fragen. Das gibt es sonst kaum. Aber dieser Moment wirkt nur, wenn er nicht gleichzeitig Leistungsbeurteilung, Lohngespräch und Feedbackrunde sein muss.

Ich erlebe bei meinen Kunden immer wieder, dass alles in einen einzigen Termin gepresst wird: Bonus, Rückblick, Entwicklung, manchmal noch Zielvereinbarung. Und dann jagt ein Punkt den nächsten. Für echtes Zuhören bleibt kaum Raum. Für die Frage «Was brauchst du von mir?» erst recht nicht.


Warum es trotzdem so wichtig ist

Abschaffen ist keine Lösung. Denn so schlecht das Jahresgespräch oft gelebt wird, so wertvoll ist die Idee dahinter. Menschen brauchen einen Moment, in dem sie innehalten. In dem jemand fragt: Wo stehst du? Was willst du? Was brauchst du, um weiterzukommen? Im Alltag passiert das nicht. Die Wochen rennen, die Projekte stapeln sich, und Entwicklung bleibt auf der Strecke.

Und es ist mehr als ein Gespräch: Es ist ein Signal der Wertschätzung. Du wirst gesehen. Deine Entwicklung zählt. Das klingt simpel, ist aber nicht selbstverständlich. Viele Mitarbeitende erleben ihren Arbeitsalltag als eine Abfolge von Aufgaben, ohne je das Gefühl zu haben, dass sich jemand wirklich für sie interessiert. Ein gut geführtes Jahresgespräch kann das verändern.


Was es braucht, damit es wirkt

Ein gutes Jahresgespräch fällt nicht vom Himmel. Es braucht Vorbereitung auf beiden Seiten. Kein stundenlanges Ausfüllen von Formularen, sondern echtes Nachdenken: Was hat diese Person im letzten Jahr geleistet? Was bewegt sie? Wohin will sie sich entwickeln? Wer ohne diese Fragen ins Gespräch geht, führt kein Entwicklungsgespräch. Er oder sie hält einen Monolog mit zwei Personen.

Und dann ist da die Frage, was in diesen sechzig Minuten eigentlich Platz haben soll. Meine Empfehlung: Entwicklung und Lohn gehören in zwei separate Gespräche. Das Thema Vergütung ist wichtig, unbestritten. Aber es überschattet alles andere, sobald es im Raum steht. Wer Entwicklung wirklich ernst nimmt, schützt den Raum dafür.

Und schliesslich: Das Jahresgespräch ist kein Ersatz für Führung. Es ist ein Ankerpunkt. Was dazwischen passiert, entscheidet mindestens genauso viel. Wer einmal im Jahr redet und sonst schweigt, hat das Gespräch verschenkt. Wer es nutzt, um gemeinsam Themen zu definieren, die dann auch im Alltag eine Rolle spielen, macht daraus einen echten Führungsmoment.


Das Jahresgespräch ist nicht das Problem. Die Haltung dahinter ist es. Wer es als Pflichtübung behandelt, bekommt eine Pflichtübung. Wer es als Führungsmoment begreift, bekommt ein Gespräch, das wirklich zählt.



Bereit für den nächsten Führungsmoment?



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SILVIA PETER

Organisationsentwicklung & Führungsberatung

Haldenstrasse 159 I 8055 Zürich

+41 76 543 87 87 I mail@silviapeter.ch

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