• Silvia Peter

Der Tiefpunkt der Veränderung

Ob ich nun will oder nicht: bei einer Veränderung geht es in den seltensten Fällen direkt aufwärts, sondern zuerst einmal abwärts. Und zwar richtig. Ist so. Ist aber einfacher, wenn man es vorher weiss.



Egal ob im privaten oder beruflichen Kontext: die Kurve durchlaufen wir sowieso

Ob ich nun das Verkehrsmittel für meinen Arbeitsweg oder einen Ablauf mit meinen Teamkollegen verändere: Transformation bleibt Transformation. Das bedeutet, dass die fünf Phasen der J-Kurve nach Jerald Jellison durchlaufen werden. Variabel ist dabei lediglich die Stärke des Ausschlages der Kurve. Das ist beispielsweise abhängig davon, wie gut mir das neue Thema liegt, oder wie gross die Umstellung für mich ist.

Abb.: Verlauf von Produktivität (Andresen 2019, S. 336)

Die Arbeit mit Veränderungsvorhaben meiner Kund:innen zeigt mir immer wieder: wenn die betroffenen Personen sich von Anfang an bewusst sind, dass sie die Kurve durchlaufen werden, können sie viel leichter mit den Abwärtsphasen umgehen. Die Erfahrung zeigt, dass wenn Teilnehmende die J-Kurve von Beginn weg verstehen, ihnen das ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit gibt. (vgl. Andresen 2019, S. 337). Frei nach dem Motto: wir sitzen alle im gleichen Boot. Das Verweilen in den einzelnen Phasen ist je nach Charakter, Motivation, Einstellung und Bedürfnissen der betroffenen Personen unterschiedlich kurz oder lang.


Kleine Schritte, aber mit Ausdauer

Dies wird auch in der 1%-Methode nach James Clear bestätigt. Sie besagt unter anderem, dass « [...] die Motivation des Menschen dann am grössten ist, wenn die Aufgaben am Rande seiner aktuellen Fähigkeiten liegen. [...] Bei entsprechender Motivation kann jeder fleissig sein. Entscheidend ist, ob man dabei bleibt, wenn die Tätigkeit nicht spannend ist.» (Clear 2020, S. 288)

Die Verbindung dieser Aussage mit den Erkenntnissen aus der J-Kurve, ergeben folgende Konklusion: Keine grosse Veränderung passiert von heute auf morgen. Wichtig ist ein Umsetzungs-Prozess in kleinen Schritten. Um Erfolge verzeichnen zu können ist es wichtig, dass die Teilnehmenden nicht überfordert werden, also beispielsweise das Tempo mitbestimmen können. Um sicherzustellen, dass es nicht von einer Change-Hysterie zum Stillstand kommt, ist es zwingend, dass das Vorhaben durch Ausdauer und Geduld geprägt wird und das von Beginn weg so kommuniziert wird.


Mein Tipp

Lieber regelmässige, kurze Austausch-Meetings als seltene Monster-Meetings von drei Stunden und mehr. Das bringt Leichtigkeit in den Veränderungsprozess. In anderen Worten drückt James Clear das in seinem Fazit zur 1%-Methode aus: «Der heilige Gral der Gewohnheitsänderung ist nicht eine einzige Verbesserung, sondern Tausende davon.» (2020, S.303)


Die Kraft liegt in der Balance

Bei jeder Veränderung wird es Gruppen in den unterschiedlichen Phasen geben. Personen auf dem Plateau und im Kliff benötigen intensive Begleitung. Diejenigen im Aufstieg oder Zielverhalten können die Teilnehmenden «hinter sich» unterstützen und begleiten. Zentral ist dabei der regelmässige Austausch untereinander. Mit ernst gemeinten Gesprächen kann ein echter Unterschied erzielt werden. Wenn belanglose Antworten wie «alles gut» ernsthaft hinterfragt werden, kommt echtes Potenzial zum Vorschein. Und somit auch konkrete Ansatzpunkte um das Gegenüber zu unterstützen.


Fazit

Für eine erfolgreiche Veränderung braucht es von Anfang an das Verständnis, dass alle die J-Kurve durchlaufen werden. Wenn alle das Tal kommen sehen, bringt das ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit. Der Schlüssel liegt in echtem Zuhören.



Haben Sie Lust, mit mir über die nächsten Veränderungen in ihrem Unternehmen zu sprechen? In einem unverbindlichen Gespräch können wir uns gemeinsam darüber austauschen, wie ihre J-Kurve zur Erfolgskurve wird:


Quellen:
Andresen, Judith (2019): Agiles Coaching, die neue Art, Teams zum Erfolg zu führen. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, München: Carl Hanser Verlag.
Clear, James (2020): Die 1% Methoden. Minimale Veränderung, maximale Wirkung. 6. Auflage, deutsche Erstausgabe, München: Wilhelm Goldmann Verlag.